Technologiezentrum Sofia

Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und die Zivilgesellschaft – ohne sie wird es keine Entwicklung im Donauraum geben

12.03.2015

Sitzung des gemeinsamen Lenkungsausschusses in St. Pölten

Sitzung des gemeinsamen Lenkungsausschusses in St. Pölten

In der Arbeitsgemeinschaft der Donauländer (ARGE), gegründet im Jahr 1996, sind alle Länder und Regionen entlang der 2859 km langen Donau Mitglied. Für die Städte und Gemeinden entlang der Donau hat sich der der „Rat der Donaustädte und Regionen“ (CSRD) etabliert. Beide Organisationen haben einen gemeinsamen Lenkungsausschuss gegründet. Auf Einladung der ARGE, unter Leitung der Niederösterreichischen Regierung, fand unter Leitung von Peter Langer und Dr. Seif eine Sitzung des Lenkungsausschusses in St. Pölten statt. Dieser soll zukünftig Aufgaben koordinieren und die Zusammenarbeit organisieren. Mitglied im Arbeitskreis Wirtschaft, Tourismus und Verkehr ist der Geschäftsführer des Technologiezentrums Sofia, Mag. Jürgen Eisele. Er hat für die Belange an der Unteren Donau gesprochen.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Umsetzung der EU-Donauraum-Strategie – EUSDR – nur dann erfolgreich sein wird, wenn den Ebenen der Politik und Verwaltung vor allem auch eine breite Mobilisierung der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Medien und insgesamt der Zivilgesellschaft im Donauraum gelingt. Die lokalen und regionalen Ebenen spielen dabei eine zentrale Rolle. Hier leben und arbeiten die Menschen. Deren Identifikation mit der Donauraum-Strategie wird am besten dadurch gelingen, wenn sie in ihrem Alltag sichtbare positive Veränderungen und damit eine Verbesserung ihrer persönlichen Lebensumstände erfahren werden. Im Kern hat die EU-Donauraum-Strategie den Zweck, den Bürgerinnen und Bürgern entlang der Donau dauerhaften Frieden, demokratische Verhältnisse, Rechtssicherheit, eine saubere Umwelt, Wohlstand, Bildung und soziale Gerechtigkeit zu bringen.

Die Teilnehmer der Sitzung stellen übereinstimmend fest, dass die Stellung der Regionen in der jüngsten Vergangenheit mehr und mehr geschwächt wurde. Immer mehr Kompetenzen und Entscheidungen werden auf nationale und europäische Ebene verlagert. Damit ist die Architektur Europas gefährdet. Eine Abkehr vom „Europa der Regionen“ hätte große nachteilige Folgen.

Beide Organisationen haben vier Arbeitskreise eingerichtet:
1. Wirtschaft, Tourismus und Verkehr;
2. Kultur, Wissenschaft und Bildung;
3. Nachhaltigkeit, Energie und Umwelt;
4. Zivilgesellschaft, Sozialpolitik, Frauen und Jugendbewegung.

Zur Mitarbeit in diesen Arbeitsgruppen haben sich mehr als 400 Experten, Politiker und Verwaltungsfachleute aus allen Ländern entlang der Donau registrieren lassen.

Als Diskussionsbeitrag für den Bereich Wirtschaft, Tourismus und Verkehr an der „Unteren Donau“ hat das Technologiezentrum Sofia eine Ausarbeitung zum Thema „Donau-Querungen“ übergeben. In dieser Darstellung wird ausgeführt, dass es in diesem Streckenabschnitt der Donau mit einer Länge von 931 km insgesamt nur 6 Brücken gibt. Das größte Defizit an Brücken besteht im Abschnitt Vidin/Calafat und Ruse/Giurgiu mit einer Länge von 307 km. Lediglich an drei Punkten kann der Fluß mit einer Fähre in diesem Donauabschnitt überquert werden. „Eine kleinräumige Wirtschaftsentwicklung“ wird so lange nicht erreicht werden können, solange diese Situation nicht geändert wird.

Technologiezentrum Sofia, das „Donau-Floß“ und zahlreiche NGO`s in allen Ländern an der Unteren Donau werden diesen Punkt auf den nationalen und der europäischen Ebene vortragen, um eine Veränderung der Situation zu erreichen. Auch der Lenkungsausschuss und der Arbeitskreis Wirtschaft, Tourismus und Verkehr haben zugesagt, dieses Problem zu thematisieren.

Weitere Informationen finden Sie im Diskussionspapier „Aufbau von Verkehrsinfrastrukturen an der Unteren Donau“. Das TZ lädt alle Interessierten zur aktiven Mitarbeit ein.

Aufbau von Verkehrsinfrastrukturen an der Unteren Donau

Thema: Donau-Querungen

Ein Vorschlag zur Aufnahme in den EFSI-Fond -Europäischer Fond für strategische Investitionen-2015

Die Untere Donau

Das Gebiet der Unteren Donau beginnt in Drobeta Turnu Severin (RO) und erstreckt sich 931 km entlang der Donau. Berührt werden davon die Länder Rumänien, Bulgarien, Moldawien und die Ukraine.

Für die Zukunft: Positives Denken

Die größten Probleme entlang der Donau sind: Wegzug der Bevölkerung (betriff alle Altersschichten);
Überalterung der Dörfer und dadurch Zusammenbruch der kommunalen/sozialen Infrastrukturen;
Keine neuen Arbeitsplätze in Industrie, Handel und Handwerk; Negatives Denken und publizieren derselben wie: „wir sind die ärmste Region in Europa“; Über allem steht das Hauptproblem einer total unzureichenden Verkehrsinfrastruktur! Dies bezieht sich auf mangelhafte Straßennetze; schlechte Eisenbahnverbindungen;
fehlende Verkehrslandeplätze; fehlende Verbindungen für Donau-Touristen; fehlende Donau-Querungen;

Neue Donau-Querungen sind ein Schlüssel zum Erfolg !

In dieser Ausarbeitung soll die Situation der Donau-Querungen dargestellt werden, wie
sie derzeit an der Unteren Donau vorzufinden ist. Die fehlenden Donau-Querungen sind die Ursache für die seit 25 Jahren ausbleibende wirtschaftliche Entwicklung mit allen oben dargestellten Folgen. Im direkten Einzugsbereich der Donau leben auf der bulgarischen Seite rund 1,5 Mio. und auf der rumänischen Seite rund 6 Mio. Menschen.

Die Untere Donau erstreckt sich von Drobeta Turnu Severin (RO) bis Sulina (RO) am Schwarzen Meer. Der Flußabschnitt beträgt rund 931 km.

Donauquerungen

1. BRÜCKEN

Die internationale Wasserstraße Donau überspannen von Kelheim in Süddeutschland bis Sulina an der rumänischen Schwarzmeerküste auf einer Strecke von 2.414,72 Kilometer insgesamt 130 Brücken. Mehr als 180 weitere finden sich am 430 Kilometer langen Oberlauf der Donau von Donaueschingen bis Kelheim.

An der oberen Donau quert im Schnitt alle 7 Kilometer eine Brücke den Strom, an der mittleren Donau sind es durchschnittlich 27 Kilometer und an der unteren Donau nur noch 155 Kilometer.

Abschnitt Länge des Abschnitts Anzahl der Brücken Brückendichte
Obere Donau (Kelheim– Gönyu) 624 km 88 7,1 km
Mittlere Donau (Gönyű–Turnu-Sev. 860 km 32 26,9 km
Untere Donau (Turnu-Severin– Suli. 931 km 6 155,2 km
Wasserstraße Donau (Kelheim–Sulina) 2.415 km 126 19,2 km

An der Unteren Donau gibt es auf einer Flußlänge von 931 km insgesamt 6 feste Donauüberquerungen.
a) Fier I (Staustufe) Kladowo-Drobeta T.Severin (SRB-RO)
b) Fier II (Staustufe) Negotin – Garia Mare (SRB-RO)
c) Europabrücke Vidin-Calafat
d) Friedensbrücke Ruse – Giurgiu
e) Brücke Fetesti – Cernavoda
f) Brücke Giurgen – Harsova

Dies bedeutet im Durchschnitt eine Brücken-Querung alle 150 km.

Trägt man jedoch die Querungen in eine Entfernungstabelle sieht das Ganze sehr dramatisch aus:

Abstand von Fier I zu Fier II = ca. 60 km
Abstand von Fier II zur Brücke Vidin/Calafat = ca. 60 km
Abstand von Vidin/Calafat zur Brück Ruse/Giurgiu = ca. 307 km
Abstand von Ruse/Giurgiu zur Brücke Fetesti/Cernov. = ca. 170 km
Abstand von Fetesti/Cern. zur Brück Giurgen/Harsova = ca. 50 km
Abstand von Giurgen/Harsova – Tulcea (Eingang Delta) = ca. 180 km ohne Brücke
Tulcea bis Sulina (Schwarzes Meer) = ca. 80 km ohne Brücke

Im Vergleich dazu die Situation am Rhein:

Der Rhein wird ab Konstanz bis zur Nordsee in km gemessen. Der rund 1.000 km lange Rhein zwischen Konstanz und der Nordsee wird von 118 Brücken überquert. Die meisten sind junge Brücken, denn alle Brücken unterhalb der Stadt Basel bis zur Nordsee wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Damit haben die Bewohner entlang des Rheins alle 8,47 km die Chance den Rhein zu queren.

2. Fähren

Auf der Unteren Donau sind folgende Fährverbindungen in Betrieb:

Oriachovo(BG) – Bechet (RO) ca. 110 km von Vidin/Calafat und ca. 170 km nach Ruse/G.
Nikopol (BG) – Turnu Magurele(RO) ca. 180 km von Vidin Calafat und ca. 90 km nach Ruse/G.
Svishtov(BG) – Zimnicea(RO) ca. 215 km von Vidin/Calafat und ca. 55 km nach Ruse/G.
Silistra(BG)-Calarasi(RO) ca. 100 km von Ruse/Giurgiu
Fähre ca. 30 km nach Calarasi über den Borcea
Fähre bei Cerna
Fähren Braila
Fähren Galati
Fähre Tulcea
Fähre Nufaru (Delta)

Die Fähren haben von jeder BG-Flussseite aus max. 5 Verbindungen pro Tag. Die Dauer der
Überfahrt erstreckt sich von 15 Minuten bis 35 Minuten. Die Wartezeiten zwischen den Abfahrtsterminen betragen teilweise bis zu 4 Stunden (Svishtov).

Auf bulgarischer Seite sind die Fährübergänge und damit auch die Grenzübergänge in
einem jämmerlichen Zustand. Teilweise erinnert die bauliche Situation an Grenzübergänge in
Afrika. Dies gilt auch für die Grenzübergänge Ruse(BG)- Giurgiu (RO) und Silistra(BG) – Ostrov (RO)

Forderung nach neuen Donauquerungen

Unter Donauquerung sind sowohl Brücken als auch Tunnels zu verstehen.

Folgende neue Querungen sind zwingend erforderlich, um die wirtschaftliche Entwicklung auf beiden Seiten der Donau zu starten:

1. LOM (BG) – RAST (RO)
2. Oryachovo (BG) – BECHET (RO)
3. Gigen (BG) – CORABIA (RO)
4. Nikopol (BG) – Turnu Magurele (RO)
5. Svishtov (BG) – Zimncea (RO)
6. Tutrakan (BG) – Oltenita (RO)
7. Silistra (BG) – Calarasi (RO)
8. BRAILA (RO)
9. GALATI (RO) West
10. GALATI (RO) Ost
11. TULCEA (RO)

Neue Querungen müssen an vielen Stellen nicht denselben Standard erfüllen wie beispielsweise
die neue Brücke zwischen Vidin und Calafat. Zur Belebung der Wirtschaft würden auch
einspurige Querungen mit Ampelregelungen ausreichen, da selbst in diesen Fällen eine raschere Querung möglich ist als das Zurücklegen von Hunderten von km zur nächsten Brücke oder Fähre.

Ergänzungen zu den Donau-Querungen

Ergänzende Verkehrsträger zur besseren Erschließung der Unteren Donau könnten Luft-Taxis und
Boot-Taxis sein.

3. Verkehrslandeplätze

Für eine schnelle Erreichbarkeit der Unteren Donau fehlen Verkehrslandeplätze, die mit den großen Flughäfen verbunden werden sollten. Einrichtung von Luft-Taxis.

Landeplätze müssten beispielsweise eingerichtet werden in Drobeta Turnu Severin (RO), Negotin (SRB), Bechet (RO), Svishtov (BG), Ruse oder Giurgiu (BG-RO), Silistra (BG), Galati (RO). In Tulcea ist der Flughafen bereits aktiviert.

4. Boots-Taxi

Eine andere Alternative könnte auch der Einsatz von Highspeed-Booten sein, um die Städte entlang der Unteren Donau zu verbinden. In sozialistischen Zeiten gab es eine derartige Verbindung die im Volksmund „Raketi“ genannt wurde.

Die Verfasser schlagen vor, das Thema Donau-Querungen an der Unteren Donau den Gremien für den EFSI-Fonds zu übergeben. Dort sollen Projekte aufgenommen werden, die tatsächlich Wachstum und Arbeitsplätze schaffen. EU Ratspräsident Jean Claude Juncker hat dazu mit der gesamten EU-Kommission einen Vorschlag ausgearbeitet, 315 Milliarden in den EU-Fonds für strategische Investitionen einzubringen.

In den Monaten März bis Juni 2015 werden die Initiatoren „Donau Querungen an der Unteren Donau“ Unterstützer in NGO’s, Städten und Gemeinden, Institutionen und der lokalen Wirtschaft aktivieren. Danach soll die Initiative in Brüssel den zuständigen Gremien des EFSI-Fonds vorgestellt werden.

Sofia, 01. März 2015
Mag. Jürgen Eisele, Geschäftsführer
Technologiezentrum Sofia
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Das Technologiezentrum Sofia veranstaltet jährlich unter Mithilfe zahlreicher Vereine, Institutionen, Gemeinden und Privatpersonen das „Donau-Floß“ – www.danaube-raft.eu
Im Rahmen dieser Veranstaltung sammeln die Organisatoren Informationen entlang der Donau und können
deshalb Situationsberichte zu den einzelnen Themen erstellen. Diese werden den staatlichen und kommunalen Stellen sowie anderen NGO`s zur Verfügung gestellt.

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